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Myositis (eosinophilica und atrophica) Hund

Hans Ch. aus Sa Pobla fragt:

Seit einigen Tagen kann unser Schäferhundmischling nicht mehr richtig fressen und weint, wenn er versucht, an seinem Kauknochen zu nagen. Kann es sein, dass er "Muskelkater" vom vielen Kauknochen kauen hat, oder haben Sie eine medizinische Erklärung für sein Verhalten?

 

Lieber Hans!


Natürlich kann ich Ihnen nicht mit Sicherheit sagen, was Ihrem Hund fehlt, aber ich habe eine Verdachtsdiagnose, die zum Verhalten Ihres Hundes passt. Unter dem Namen "Myositis eosinophilica" ist eine Kaumuskelerkrankung bekannt geworden, die gehäuft beim Deutschen Schäferhund auftritt. Im akuten, d. h. frischen Stadium der Krankheit sind die Kopfmuskeln des Hundes beidseitig geschwollen und schmerzhaft. Manchmal fällt das dritte Augenlid vor. Die Tiere können nicht fressen und auch die passive Bewegung des Mauls ist schmerzhaft. Fieber und geschwollene Lymphknoten können den Krankheitsbeginn begleiten. Es kommt vor, dass der Unterkiefer leicht herunterhängt. Äußert sich die Kopfmuskelentzündung auf diese Art, wird sie meistens vom Besitzer bemerkt und das Tier wird dem Tierarzt vorgestellt. Dort wird eine Blut- und/oder Gewebeuntersuchung durchgeführt, um andere Krankheiten auszugrenzen. Verletzungen, Nervenentzündungen, Abszesse in den Augenhöhlen oder bestimmte hormonelle Störungen können sich zunächst mit den gleichen Krankheitsanzeichen äußern. Auch Krankheiten in den Kiefergelenken sind schmerzhaft und führen zu Fressstörungen. Besteht ein Verdacht auf eine Kiefergelenksentzündung, müssen zusätzlich Röntgenbilder angefertigt werden. Wenn man schließlich davon ausgehen kann, dass es sich um die Kaumuskelentzündung namens Myositis eosinophilica handelt, wird eine Kortisontherapie eingeleitet. Die akute Myositis spricht in den meisten Fällen auch sofort auf das Kortison an, denn es handelt sich dabei um eine so genannte "Autoimmunkrankheit". Bei diesen Krankheiten treten immunologische Störungen auf, bei denen sich das körpereigene Abwehrsystem gegen eigene Körperzellen richtet. Im Fall von ME ist die Kopfmuskulatur der Angriffspunkt für das Immunsystem. In der Gesichtsmuskulatur des Hundes (Masseter, Temporalis, Pterigoideus) befinden sich – im Gegensatz z. B. zur Extremitätenmuskulatur- – bestimmte Muskelfasertypen in großer Anzahl (Prädominanz von Typ 2M Muskelfasern). Diese Fasern sind das Ziel von bestimmten, vom Immunsystem aktivierten "Fresszellen". Das sind Entzündungszellen die sich auf die M2 Fasern der Kaumuskulatur stürzen und sie zerstören. Durch die Kortisongaben wird die Überreaktion des Immunsystems abgeschwächt und das Entzündungsgeschehen eingedämmt. Die Kopfmuskeln erholen sich und der Schmerz verschwindet.
Allerdings kommt es vielfach vor, dass die akute Phase der Myositis übersehen wird und unbemerkt bleibt. Vielleicht sind die Symptome nicht stark ausgeprägt oder der akute Schub dauert nur sehr kurz an. Es gibt auch häufig Fälle von wiederholt auftretenden kurzen Entzündungsschüben über mehrere Wochen und Monate hinweg. Die Symptome sind für den Besitzer nicht auffällig und verschwinden nach einigen Tagen wieder. So kann das einzige Anzeichen vielleicht lediglich ein "Weinen" beim Knochenkauen sein. Jedoch werden jedes Mal einige der typischen 2M Fasern zerstört und die Kieferbeweglichkeit wird mit der Zeit immer mehr eingeschränkt. Die Muskeln verlieren an Masse und es entwickelt sich schleichend ein Schwund der gesamten Kopfmuskulatur (Muskelatrophie). Diese chronische, d. h. länger bestehende, Kopfmuskelmyositis ("Myositis atrophica") kommt bei vielen Rassen und in jedem Alter vor (Deutscher Schäferhund, Dobermann, Samoyede u.v.m.). Die zerstörten Muskelfasern werden nach und nach durch Bindegewebe ersetzt (= Fibrosierung des Muskels) und die Beweglichkeit des Kiefers wird dadurch immer geringer. In diesem chronischen Stadium ist nur noch eine geringe Entzündung vorhanden und das Tier empfindet kaum noch Schmerzen. Auch bei Laboruntersuchungen lassen sich jetzt selten veränderte Werte feststellen. Daraus folgt, dass die therapeutischen Möglichkeiten immer geringer werden. Auch die Prognose wird immer schlechter, denn durch die zunehmende Unbeweglichkeit des Mauls werden die Fressschwierigkeiten immer größer. Das Tier kann häufig nur noch weiches Futter oder Flüssignahrung aufnehmen. Das gewaltsame "Aufbrechen" des Kiefers unter Narkose, wie es früher praktiziert wurde, verursacht noch größeren Schaden, da es erneut eine Entzündung provoziert und innerhalb kürzester Zeit zu einer weiteren Verschlechterung des Zustands führt.
Sie sehen, Hans, wie wichtig es ist, eine frühzeitige Diagnose zu stellen. Denn auch für unsere Haustiere gilt: Die Früherkennung einer Krankheit kann lebensrettend sein.