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Lebershunt

Nina F. aus Palma fragt:

Wir haben uns einen jungen Cairn Terrier gekauft. Irgendwie ist er aber nicht in Ordnung. Es gibt Tage, an denen er ganz munter ist und dann wieder Tage, an denen er nur schläft. Gestern hatte er dann so etwas wie einen epileptischen Anfall. Was meinen Sie dazu?

 

Liebe Nina!


Was Sie mir schildern hört sich nicht sehr gut an. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Welpe eine angeborene Störung hat. „Anfälle“ können zwar sehr verschiedene Ursachen haben, besonders beim jungen Hund, aber das beschriebene wechselnde Allgemeinbefinden passt eigentlich gut zu einer Missbildung, die man „Lebershunt“, „portosystemischer Shunt“ oder kurz „PSS“ nennt. Diese angeborene anatomische Abweichung kommt bei vielen Hunderassen vor, besonders auch bei Terriern. Es handelt sich um ein zusätzliches Blutgefäß, das Blut – anstatt durch die Leber hindurch – um die Leber herum leitet.

Bei einem gesunden Hund sammelt sich das Blut der inneren Organe und des Magen-Darmtrakts in der so genannten Pfortader, die in der Leber mündet. Die Leber ist ein sehr wichtiges Organ, vor allem für die Entgiftung eines Körpers. Sämtliche Stoffe, die vom Darmsystem aufgenommen wurden, werden in die Leber transportiert. Dort werden die notwendigen Nahrungsstoffe sowie auch die giftigen Schadstoffe herausgefiltert. Beispielsweise entsteht beim Eiweißabbau des Körpers Ammoniak, ein sehr schädliches Zellgift. In der Leber wird dieser giftige Stoff in unschädlichen Harnstoff umgewandelt und über Niere und Blase aus dem Organismus ausgeschieden.

Beim PSS ist die Pfortader mit der großen Körpervene verbunden, die zum Herzen führt. Die Leber wird zu wenig durchblutet und arbeitet daher schlecht. Schadstoffe können auf diesem Weg nicht herausgefiltert werden und gelangen in den Körper, so dass es zu einer schleichenden Vergiftung kommt.

Es sind immer nur junge Hunde betroffen. Meist ermüden sie schnell, brechen oft und haben immer wieder Verdauungsstörungen. Sie trinken viel und zeigen eine verzögerte Entwicklung. Genau wie sie es beschreiben, Nina, gibt es schlechte und gute Tage im Leben dieser Welpen. Aber unbehandelt verschlechtert sich das Befinden zusehends. Mit der Zeit kommt es auch zu „Anfällen“ (= „hepatoencephalitisches Syndrom“) und Bewegungsstörungen. Temporäre Blindheit kann ein Symptom sein, genauso wie abruptes
Einschlafen oder plötzliches Speicheln. Oftmals werden die Hunde bald nach dem Fressen „krank“ und bessern sich später wieder.

Um PSS zu diagnostizieren, wird zunächst ein Bluttest durchgeführt, um freies Ammoniak im Blutkreislauf zu bestimmen. Ist dies für eine sichere Diagnose nicht ausreichend, werden weitere Untersuchungen nötig (Ultraschall, Röntgen).

Die Therapie erfolgt eigentlich immer durch einen chirurgischen Eingriff. Je nach Shunt-Typ ist die Operation unterschiedlich schwierig. Auf jeden Fall muss das „falsche“ Blutgefäß verschlossen werden. Wird eine Operation nicht in Betracht gezogen, beispielsweise aus Kostengründen oder weil die Schäden bereits zu weit fortgeschritten sind, sollte die Euthanasie des jungen Hundes erwogen werden. Denn ein PSS endet bei Nichtbehandlung in allen Fällen tödlich.