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Dermatologie - Die Lehre von den Hautkrankheiten

Ria S. aus Düsseldorf fragt:

Mein vierjähriger West Highland White Terrier kratzt sich ständig, seit er klein ist. Am Anfang bin ich von einem Tierarzt zum anderen gepilgert, aber keiner hat erkannt, was ihm eigentlich fehlt. Das einzige, was ihm hilft, sind die Kortisonspritzen, die er nunmehr seit einigen Jahren bekommt. Allerdings hat die letzte Spritze nicht mehr sehr gut geholfen. Der Hund macht auch zunehmend einen kranken Eindruck, obwohl er doch nur eine Hautkrankheit hat. Von meiner Freundin habe ich erfahren, dass Sie Dermatologin sind. Meinen Sie, ich sollte den Hund noch einmal untersuchen lassen?

 

Liebe Ria!


Ja, ich bin allerdings der Ansicht, dass Sie Ihren Hund nochmals gründlich untersuchen lassen sollten! Hautkrankheiten werden leider immer wieder unterschätzt und oft nicht sehr ernst genommen. Dabei ist die Haut eines unserer lebenswichtigsten Organe, und zwar das größte Organ des Körpers. Sie spielt für die Erhaltung der Gesundheit von uns Lebewesen eine wichtige Rolle und ihre Funktionen sind vielfältig und äußerst komplex. Allein am Aufbau zeigt sich schon die Vielfalt ihrer Aufgaben: Das Hautorgan setzt sich aus drei Schichten zusammen. Eine durchgehende Außenschicht, die Oberhaut (= Epidermis), ist durch eine mittlere Schicht, die Lederhaut (= Korium), mit verschiedenen Hilfsstrukturen verbunden (z. B. Haare, Drüsen, Muskeln, Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven). Sie schließt mit einer dicken, aus Fett und Bindegewebe bestehenden Innenschicht, der Unterhaut (= Subkutis), ab. Auf diese Weise wirkt das Hautorgan wie eine einschließende Barriere und verhindert den Verlust von Wasser und Elektrolyten. Gleichzeitig wird der Körper von der Außenwelt abgeschirmt. Schädliche physikalische, chemische oder biologische Umwelteinflüsse werden so am Eindringen ins Körperinnere gehindert. Durch die Flexibilität, Elastizität und Festigkeit der Haut wird die Körpergestalt und -form eines jeden Körpers bestimmt. Die Haut ist aber zugleich auch Teil unserer sensorischen Wahrnehmung: Über die Haut empfinden wir Wärme/Kälte, Schmerz/Juckreiz, Berührung/Druck. Durch Haarkleid, Durchblutung und Drüsentätigkeit hilft sie, die Temperatur unseres Körpers zu regulieren. Und sie reagiert mit typischen Reaktionsmustern auf äußere Einflüsse, wie z. B. auf Sonne oder auf Kälte. Die Haut ist Speicher für Elektrolyte, Wasser, Vitamine, Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße und mehr. Sie ist nicht nur für die lebensnotwendige Produktion von Vitamin D im Zusammenhang mit Sonnenlicht verantwortlich, sondern kann dem Körper auch helfen, durch Veränderungen im äußeren Blutgefäßsystem den Blutdruck zu regulieren. Das Hautorgan kann Indikatorfunktion für den allgemeinen Gesundheitszustand des ganzen Körpers haben. Z.B. kann ständig gerötete Gesichtshaut einen Hinweis auf Bluthochdruck geben oder glanzloses, sprödes Fell beim Tier auf einen Parasitenbefall oder Mangelerscheinungen hindeuten. Auch Auswirkungen von verabreichten Medikamenten können sich in der Haut zeigen. Außerdem ist die Haut ein wirksamer Immunregulator. Sie arbeitet durch bestimmte in ihr vorkommende Zellen gegen die Entwicklung von Hauttumoren oder gegen die krankhafte Ausbreitung von Infektionserregern.
Ist es nicht erstaunlich, was dieses Organ alles leistet?
Wenn man berücksichtigt, dass auch Ohren, Augenlider, Nägel bzw. Krallen und bestimmte Drüsen, wie z.B. die Analbeutel bei Tieren, in den dermatologischen Bereich fallen, so wird offensichtlich, welche wichtige Rolle Hautkrankheiten spielen. Durch ständige Einflüsse wie Juckreiz, Entzündung, Sekundärinfektion, Haarausfall, Medikamentengaben (Kortisone!) u.v.m. kann eine Hauterkrankung ihr Erscheinungsbild im Laufe der Zeit dramatisch verändern.
Nehmen wir den Haarausfall beim Tier! Haarausfall gibt nicht immer einen Hinweis auf die zugrunde liegende Störung. Er kann die unmittelbare Folge einer Erkrankung oder aber im fortgeschrittenen Stadium einer Krankheit Ausdruck und Schwere einer Hautschädigung sein. Oder nehmen wir Juckreiz! Es gibt Erkrankungen, die von Anfang an mit Juckreiz verbunden sind. Dazu gehören Infektionskrankheiten mit Bakterien oder Parasiten. Auch allergische Erkrankungen können stark juckend verlaufen. Andererseits gibt es Infektionskrankheiten, z. B. mit Pilzen, die zu Beginn nicht oder nur selten von Juckreiz begleitet sind, aber durch Sekundärinfekte starken Juckreiz entwickeln können. Auch vom Immunsystem ausgehende Erkrankungen müssen nicht in jedem Fall mit Juckreiz beginnen, können sich aber mit der Zeit in eine stark juckende Hauterkrankung verwandeln. Aber nicht nur Infektionserreger, Parasiten oder das Immunsystem können der Haut schaden, sondern es gibt noch eine Vielzahl weiterer möglicher Ursachen für Hautveränderungen. Es gibt ernährungsbedingte Störungen, angeborene Defekte, rassebedingte Schwächen, Verhornungsstörungen, umweltbedingte Einflüsse oder eine ganze Reihe gutartiger und auch bösartiger Hauttumore. Die schwierige Aufgabe der Dermatologen ist es herauszufinden, wo in diesem komplexen Gebilde der Haut eine Störung ihren Ursprung hat und welche Erkrankungen sie verursacht. Man sieht also, dass es sehr aufwendig werden kann, zu einer korrekten Diagnose und damit zu einer richtigen und Erfolg versprechenden Therapie zu gelangen. In den letzten Jahren haben wir durch Forschung und therapeutische Erfahrung ein breites Feld von Medikamenten erhalten, das weit über die „Kortisonbehandlungen“ hinausgeht, die zu Beginn der Entwicklung der Dermatologie verbreitet waren.
Trotzdem, Ria, ist die Diagnosefindung in der Tiermedizin meist nur durch Zusammenarbeit mit dem Tierbesitzer möglich. Sie müssen Ihrem Tierarzt genau schildern ,wie die Krankheit begonnen hat und wie die Symptome ganz am Anfang waren. Vielleicht muss erst eine antibiotische Behandlung durchgeführt werden, oder vielleicht müssen zuerst einmal Kortisonnebenwirkungen saniert werden, bevor bestimmte Tests gemacht werden können. In jedem Fall müssen Sie Geduld aufbringen, bis der Tierarzt genügend Proben gemacht und ausgewertet hat.
Denn letztendlich kann uns nur die Diagnose zum therapeutischen Erfolg verhelfen!