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Badebehandlung

Renate Q. aus Pollenca fragt:

Unser Boxer hat schuppige Haut und besonders im Sommer immer wieder Ekzeme. Wir baden ihn deswegen regelmäßig mit einem milden Kindershampoo. Ist das gut oder schlecht?

 

Liebe Renate!


Als Dermatologin muss ich Ihnen leider sagen, dass es sicherlich nicht gut für Ihren Boxer ist, wenn Sie seine offensichtlich sowieso schon irritierte Haut auch noch mit einem Shampoo für Menschen traktieren. Grundsätzlich sollte man sich vor dem Baden des Tiers darüber Gedanken machen, was mit dem Bad bezweckt werden soll. Die Frage ist nämlich nicht, ob ein Bad gut oder schlecht ist, sondern, ob das Fell nur gereinigt oder eine Hauterkrankung unterstützend behandelt werden soll.
Shampoos bestehen herkömmlicherweise aus reinigenden und pflegenden Substanzen und sind mit Weichmachern, Farbstoffen, Parfüm und Konservierungsmitteln versetzt. Die Tierhaut hat eine andere Anatomie und Physiologie als Menschenhaut und ist dadurch u. a. viel sensibler und dünner. Der PH-Wert ist alkalischer und es gibt eine viel höhere Dichte von Haarfollikeln, die das Eindringen von aktiven Substanzen vereinfachen.
Tiershampoos sind an diese Gegebenheiten angepasst. Die reinigenden Substanzen sind meist in höherer Konzentration und in viel leichter auswaschbaren Zusammensetzungen enthalten. Auch ist ein anderer PH-Wert vorhanden. Wenn wir das Fell des Hundes nur säubern möchten, empfiehlt es sich also dringend, ein entsprechendes Tiershampoo zu benutzen. Zur normalen Fellpflege gehört ein Bad mit Schampoo bei unseren Haustieren allerdings nicht dazu. Tiere mit gesunder Haut und intaktem Haarkleid sollten nur bei Bedarf „eingeseift“ werden, um das Gleichgewicht im Hautstoffwechsel nicht zu stören. Der natürliche Schutzfilm im Fell der Tiere ist eine effektive Barriere gegen schädliche Einflüsse und muss nach jedem Schaumbad ganz neu aufgebaut werden.
Soll das Bad aber als dermatologische Anwendung dienen, muss das Shampoo gezielt für die Krankheit ausgewählt werden, die wir behandeln möchten. In der tiermedizinischen Dermatologie ist die unterstützende Behandlung durch medizinische Bäder schon lange ein fester Bestandteil im Behandlungsplan. Die modernen medizinischen Shampoos enthalten Mikrokapseln, in denen Wirkstoffe und Fette eingeschlossen sind, so dass die Bioverfügbarkeit der Inhaltstoffe erhöht wird. Diese winzigen Kapseln dienen auch als Vehikel, um Wirkstoffe und fehlende Feuchtigkeit tief in die Haut eindringen zu lassen.
Es gibt im Wesentlichen fünf Diagnosekomplexe, bei deren Therapie die begleitende Badebehandlung nicht wegzudenken ist: Verhornungsstörungen, bakterielle Hautinfektionen, Pilzbefall, allergische Hautkrankheiten und Störungen im Wasserstoffwechsel der Haut. Jede dieser Krankheiten erfordert neben einer systemischen (= den ganzen Organismus betreffend) auch eine topische (= örtliche) Behandlung mit dem entsprechenden Shampoo. Manchmal muss die gesamte Körperoberfläche shampooniert werden, in anderen Fällen reicht die Behandlung einer begrenzten Zone, wie z. B. Rücken oder Bauch. Haut und Haarkleid werden befeuchtet und das verschriebene Shampoo wird aufgetragen. Die Einwirkzeit beträgt 5 bis 15 Minuten, je nachdem, wie lange die aktiven Substanzen benötigen, um sich zu lösen und in die Haut einzudringen. Danach müssen die Rückstände sehr gut mit kaltem Wasser ausgespült werden, um Irritationen zu vermeiden und die Rehydratation zu gewährleisten. Am Anfang einer Therapie wird die Badebehandlung meist in kurzen Abständen wiederholt. Wenn sich der Hautzustand gebessert hat, lässt sich der therapeutische Effekt meistens mit ein bis zwei Bädern die Woche aufrechterhalten.
Also Renate, wir sollten herausfinden, warum Ihr Boxer schuppige Haut hat und zur Bildung von Ekzemen neigt. Entsprechend der Diagnose wird dann das richtige Shampoo ausgewählt. Danach ist Ihre Frage leichter zu beantworten: Regelmäßiges Baden mit dem richtigen Shampoo ist in diesem Fall gut für Ihren Hund!