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Katzen und Hautkrankheiten

Hans U. aus Palma fragt:


Meine Katze (eine reine Wohnungskatze) hat mehrere rote Stellen am Körper.Außerdem hat sie am Bauch fast alle Haare verloren. Sie kratzt sich aber nicht übermäßig. Können Katzen auch spezielle Hautkrankheiten bekommen?

 

Lieber Hans!



Das ist eine sehr gute Frage. Lange Zeit wurden Katzen in der Tierdermatologie einfach wie kleine Hunde behandelt. Das liegt zum Teil auch daran, dass es vermutlich viel weniger hautkranke Katzen als Hunde gibt. Aber Katzen sind eine eigene Spezies und weisen, auch dermatologisch gesehen, große Unterschiede zum Hund auf. Beispielsweise sind Hautinfektionen mit Bakterien oder Hefepilzen bei der Katze ausgesprochen selten. Auch durch hormonelle Störungen verursachte Hautveränderungen oder die beim Hund gängigen Autoimmunerkrankungen, also Krankheiten, bei denen das Immunsystem gegen körpereigene Stoffe arbeitet, sind bei der Katze kaum zu finden. Bei Katzen treten jedoch häufiger Pilzinfekte oder Hautprobleme auf, die durch Virusinfektionen ausgelöst werden. Auch allergische Erkrankungen spielen eine größere Rolle. Bei den allergischen Krankheiten der Katze unterscheiden wir im Wesentlichen drei Reaktionsmuster der Haut:
• die miliare Dermatitis
• den eosinophilen Granulomkomplex
• die feline symmetrische Alopezie
Bei der sogenannten miliaren Dermatitis finden wir an bestimmten Stellen oder oft auch am ganzen Körper kleine Krusten, die eher fühlbar als sichtbar sind und meist von Juckreiz begleitet werden. Unter dem eosinophilen Granulomkomplex werden drei Krankheitsbilder zusammengefasst: das indolente Ulcer, ein schmerzloses Geschwür, das meist an der Oberlippe erscheint; das eosinophile Plaque, das aus harten, geröteten und erhöhten haarlose Hautverdickungen besteht, die einzeln oder an mehreren Stellen auftreten können; sowie das lineare Granulom, eine knötchenartige, harte Hautveränderung, die einen strangförmigen Verlauf hat und behaart ist. Die
symmetrische Alopezie schließlich zeigt sich durch Haarverlust, der an solchen Stellen auftreten kann, die die Katze mit ihrer Zunge erreichen und an denen sie sich lecken kann.Bei den parasitären Hautproblemen sind es hauptsächliche Flöhe, die der Katze zu schaffen machen. Läuse und Milben hingegen sind nicht alltäglich. Es gibt Krankheiten, die nur bei Katzen vorkommen und zum Teil wissenschaftlich noch gar nicht vollständig verstanden wurden. Dazu gehört beispielsweise das "mural folliculitis syndrome", eine Krankheit, bei der sich vollständiger Haarausfall und Abschuppung der Haut entwickeln können. Aber auch Tumorerkrankungen, z. B. der Leber oder Bauchspeicheldrüse,können typische Hautveränderungen hervorrufen. Kränkelt eine Katze und man entdeckt eine kahle, tief glänzende Bauchhaut, muss u. a. untersucht werden, ob es sich vielleicht um eine tumoröse Veränderung eines bestimmten Lymphorgans handelt. Auch Veränderungen von Pfotenballen können katzentypische Krankheiten anzeigen.
Diagnostik mancher Hautproblemen kann schwierig sein. Blut- und Urinuntersuchungen, Hautgeschabsel und mikroskopische Untersuchung von Haarschäften sind fast immer vonnöten. Es kann unmöglich sein zu beurteilen, ob Juckreiz vorliegt, oder nicht. Viele Katzen neigen dazu, juckende Stellen
zu belecken. Sie ziehen sich zurück, um sich dann vom Besitzer unbeobachtet übermäßig zu putzen. Das kann manchmal bis zur Verletzung der oberen Hautschicht gehen. Hautallergietests bei Katzen sind als Diagnosehilfsmittel nicht zuverlässig. Stress kann zu überhöhter körpereigener Kortisonproduktion führen und Ergebnisse verfälschen. Alter, Rasse und Geschlecht geben bei Katzen nur wenige Hinweise auf eventuelle Veranlagungen zu bestimmten Hauterkrankungen. Auch die Therapie ist bei Katzen schwieriger. Die unabhängige Natur der Katzen und damit ihre unregelmäßige Verfügbarkeit verhindert oft eine konsequente Medikamentengabe. Dazu kommt, dass viele Katzen sich weigern, mit Medikamenten präparierte Nahrung aufzunehmen. Auch regelmäßige medizinische Bäder sind vom Besitzer oftmals nicht durchführbar.
Das alles mögen Gründe dafür sein, dass bei Katzen Injektionen mit Kortison, oft auch mit Langzeitkortison, die am häufigsten angewandte Behandlung bei Hautkrankheiten ist. Sicherlich ist ein weiterer Grund, dass Katzen sehr
tolerant gegenüber Kortisonen reagieren. Nebenwirkungen der
Langzeitkortisonbehandlung, wie Fresssucht, übermäßiges Trinken, Gewichtzunahme, Zuckerkrankheit, bakterielle Blasenentzündungen oder Magengeschwüre, treten bei Katzen viel seltener auf als beispielsweise beim Hund oder Menschen. Aber auch die Katzendermatologie hat sich weiterentwickelt. Mittlerweile werden Medikamente auch auf "Katzentauglichkeit" getestet. Nicht nur hinsichtlich der Wirksamkeit, sondern auch bezüglich der Akzeptanz stehen
uns immer mehr katzengerechte Therapeutika zur Verfügung.
Was Ihrer Katze fehlt, Hans, kann ich nur vermuten. Ich empfehle Ihnen deshalb dringend, einen Tierarzt aufzusuchen Auch wenn sich Diagnostik und Therapie bei Katzen manchmal etwas schwieriger gestalten, heißt das nur, dass wir etwas geduldiger sein müssen, um dauerhafte Erfolge zu erreichen.
Die Katze ist eben in jeder Hinsicht ein spezieller Hausgenosse.