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Psychisch verursachte Hautkrankheiten bei Katzen

Ilija F. aus Ses Salines fragt:

Unsere Katze, die früher eine reine Wohnungskatze war, darf jetzt ins Freie, seit wir in Mallorca wohnen. Sie hat aber furchtbar Angst raus zu gehen und verhält sich ganz komisch. Außerdem hat sie seit Neuestem kahle Stellen am Bauch und auf dem Rücken. Vielleicht hat sie sich draußen mit irgendetwas angesteckt und will deswegen lieber im Haus bleiben?

 

Lieber Ilija!


Eine Diagnose kann ich natürlich so nicht stellen, aber einen Verdacht hätte ich zu der Geschichte schon.

Wie Sie vielleicht in der letzten Ausgabe gelesen haben, ist es ziemlich schwierig, Hauterkrankungen bei Katzen genau einzugrenzen. Wenn aber, wie in Ihrem Fall, eine Veränderung der Lebensumstände, eine Verhaltensstörung und eine Hautproblematik zusammenkommen, sollte man die so genannte „feline psychogene Alopezie“ in Betracht ziehen.

Hinter diesem Fachausdruck verbirgt sich ein Krankheitsbild, dessen Ursache in bestimmten psychischen Störungen eines Tiers zu finden ist und dessen Auswirkungen letztendlich dazu führen, dass sich Katzen das Fell herausreißen.

Die Krankheit ist ausgesprochen selten und wird absolut überdiagnostiziert. Denn in den meisten Fällen von selbstverursachtem Haarausfall sind organische Ursachen, beispielsweise Allergien, für den Juckreiz verantwortlich. Nur etwa 10% aller Fälle von juckenden Dermatosen und selbstinduziertem Haarverlust lassen sich auf wirkliche Probleme im zentralen Nervensystem zurückführen. Dabei handelt es sich um Störungen im Zusammenhang mit der Ausschüttung von so genannten Neurotransmittern, wie beispielsweise Dopamin, Adrenalin oder Serotonin. Ein gehäuftes Auftreten der tatsächlichen felinen psychogenen Alopezie ist verstärkt bei Siam- und Birmakatzen zu beobachten.

Angstneurosen, Depressionen oder Bulimie (= übermäßige Nahrungsaufnahme in Abwesenheit von organischen Erkrankungen wie Parasitosen oder Zuckerkrankheit) sind Krankheiten, die mit gesteigertem Putzverhalten verbunden sein können. Durch das Lecken wird im Gehirn Serotonin freigesetzt, was zu Wohlbefinden und zu intensiverem Lecken führt. Im weiteren Verlauf kommt es zur Endorphinfreisetzung und zu Störungen im Ablauf des Serotonin- und Dopaminsystems. Die normalen Verhaltenssequenzen des Putzens, die aus Vorbereitungsphase (= Beschnuppern), aktiver Phase (= Lecken) und Ruhephase bestehen, werden aufgehoben. Das Verhalten der Katze wird stereotyp. Das Lecken steigert sich zu Beißen, Kratzen, Nagelkauen. Es gibt Tiere mit einzelnen kahlen Stellen bis zu fast völlig kahlen Katzen. Manche Patienten beißen sich sogar die Haut auf oder benagen sich die Krallen bis zum Aufspleißen oder Abbrechen.

Die Behandlung, Ilija, hat meistens mehrere Ansätze. Man beginnt mit der Therapie der Haut im Zusammenhang mit einer Verhaltenstherapie. Wenn das nicht ausreicht, kann man mit psychotropischen Drogen arbeiten. Angstlösende Medikamente, bestimmte Antidepressiva oder Mittel, die modulierend auf die Neurotransmitter einwirken, kommen heutzutage auch in der Tiermedizin zum Einsatz.