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Zahnerkrankungen allgemein

Andreas H. aus Überlingen fragt:

Mein amerikanisch-kanadischer weißer Schäferhund ist neun Jahre alt und hat sehr abgenutzte Zähne, da er viel mit Stöcken und Steinen spielt. In letzter Zeit hat er üblen Mundgeruch und jetzt ist auch eine Gesichtshälfte etwas angeschwollen. Die Zähne sehen normal aus und der Hund frisst auch ganz normal. Muss ich zum Tierarzt?

 

Lieber Andreas!


Auf jeden Fall müssen Sie Ihren Hund tierärztlich untersuchen lassen! Maulhöhlenerkrankungen sind die am Häufigsten vorkommenden Krankheiten beim Hund überhaupt und werden oft erst sehr spät bemerkt. Die Maulhöhle ist schlecht einsehbar und Schmerzäußerungen von Seiten des Hundes sind die Ausnahme. Die Symptome sind in der Regel unklar und Futterverweigerung wird das allerletzte sein, was das Rudeltier Hund bei Zahnschmerzen tun wird.
Der Zahn ist aufgebaut aus Zahnschmelz, Zahnsubstanz, der Zahnwurzel und dem Nerven. In der Maulhöhle sichtbar ist die Zahnkrone, unserem Blick verborgen liegt die im Zahnfach befindliche Wurzel. Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des Körpers. Beim Hund ist der Schmelz, im Gegensatz zum Menschen, sehr dünn und die Zahnsubstanz sehr dick. Das gibt den langen Hundezähnen die nötige Flexibilität.
Relevante Erkrankungen des Hundemaules sind vor allem die Parodontitis.
Unter Parodontitis versteht man eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Zu diesen zählt man das Zahnfleisch, die Wurzel und das Zahnfach mit den darin befindlichen Strukturen. Ursache für Entzündungen in diesem Bereich sind krankmachende Bakterien, die sich auf den Zähnen übermäßig vermehren. Die Ausscheidung von giftigen Stoffwechselprodukten dieser Plaquebakterien und die darauffolgende Reaktion der Körperabwehr führen zur Entzündung und damit zur Schädigung des Zahnhalteapparates. Das dichte Anliegen des Zahnfleisches am Zahn wird gelockert, Schadstoffe können immer tiefer in den entstehenden Spalt eindringen. Durch bakterielle Beläge entsteht Zahnstein, das Zahnfleisch zieht sich zurück und in der Folge entwickeln sich Schäden an der Wurzel. Diese chronische Entzündung greift mit der Zeit auf den Kieferknochen über, der sich langsam auflöst. Die Zahnaufhängung im Zahnfach wird somit zerstört und der Zahn lockert sich. Durch die fortschreitende Spalten-und Taschenbildung verbessern sich die Lebensbedingungen der Bakterien ständig und der Prozess schreitet immer weiter fort. Die andersartige Zahnform beim Hund ( die Teilungsstellen der Wurzeln liegen nahe der Zahnkrone, so dass der Knochen sich schnell mit entzündet) führt viel schneller zu irreversiblen Schäden als beim Menschen. Die Folgen einer Parodontitis können fatal sein. Es bilden sich Eiterherde in der Maulhöhle und die Keimbelastung für den Körper wird enorm. Es kommt zur Streuung von Bakterien und Giften, die Schäden von Herz, Leber und Nieren zur Folge haben können. Der allgemeine Gesundheitszustand des Tieres verschlechtert sich.
Die Körperabwehr ist durch die Prozesse in der Maulhöhle überfordert und das Tier wird anfällig für andere Krankheiten.
Auch Maulhöhlenentzündungen anderer Ursache sind häufig. Es gibt Verlezungen (z.B. durch Einsprießen von Grannen, Splittern oder Stöcken.) oder Gewebezubildungen (medizinisch=Tumoren). Beides kann mit geschwürigen Veränderungen der Maulschleimhaut einher gehen.
Bei Zahnerkrankungen spielen hauptsächlich abgebrochene Zähne eine Rolle. Liegt der Nerv frei, muss behandelt werden! Wird ein offenliegender Nerv nicht versorgt, kommt es zu entzündlichen Wurzelspitzenprozessen, die durch den Kieferknochen durchbrechen können. Eiterbildung mit Schwellungen unter der Gesichtshaut, oft unterhalb des Auges, sind die Folge . Eine Schmerzreaktion seitens des Hundes kann nicht erwartet werden.
Was sind Warnsignale für Zahn-Mund-und Kiefererkrankungen?
-Mundgeruch! Ein gesunder Hund hat keinen Maulgeruch, auch nicht wenn er alt ist!
-Beläge, Zahnstein, vermehrtes Speicheln, Bluten aus dem Fang
-Schwellungen im Gesicht
-Verhaltensveränderungen wie verminderter Spieltrieb(Schmerz bei der Aufnahme von
Gegenständen!), schnelle Ermüdung (Herzklappendefekte durch Keimbelastung!)
-schlechte Nieren-und Leberblutwerte
-"Kopfscheuheit" (Anfassen am Kopf kann schmerzhaft sein!)
-(einseitiger!) Nasenausfluss
Ich werde Ihnen ,Andreas, kurz schildern, wie ihr Tierarzt vorgehen wird:
Die häufig unspezifische Symptomatik zeigt , dass eine detaillierte Untersuchung der Maulhöhle der einzige Weg ist, zur Diagnose zu gelangen. Das Tier wird dazu in Narkose gelegt. Dadurch wird eine genaue Untersuchung ermöglicht und eine unnötige Stressbelastung des Hundes vermieden. Das Risiko einer gut geführten Narkose ist, auch für den alten Hund, gering.
Vorsorgliche Blutuntersuchungen erhöhen die Sicherheit und erleichtern die Wahl des geeigneten Narkoseverfahrens. Die Behandlung beginnt mit der Entfernung von Belägen und Zahnstein mittels Ultraschalltechnik. Es folgt die Säuberung der Wurzeloberfläche und der Zahnfleischtaschen. Irreversibel geschädigte Zähne , bzw. Kieferknochenteile müssen entfernt werden.
Gewebeentnahmen mit nachfolgender Laboruntersuchung sind bei verdächtigen Veränderungen in der Maulhöhle empfehlenswert, da man vom äußeren Erscheinungsbild nicht auf die Art der Veränderung schließen kann. In der Regel schließt sich eine längere Behandlungszeit mit antibiotischen und entzündungshemmenden Medikamenten an.
Ist der Hund geheilt, sollten Sie nicht die Nachsorge vernachlässigen: regelmäßige Zahnreinigung und sorgfältige Selbstkontrollen helfen, Maulhöhlenerkrankungen vorzubeugen.