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Lebensmittelproduktion-Biofleisch

Immer wieder werde ich nach den Hintergründen von Bio-Lebensmitteln – insbesondere von teurem Bio-Fleisch – gefragt. Weihnachten ist nicht nur ein Fest der Besinnlichkeit, sondern auch des guten Essens. Aus diesem Anlass möchte ich in meinem Weihnachtsbrief auf diese Frage eingehen.

In der Lebensmittelherstellung – zu der auch die Viehwirtschaft zählt – unterscheidet man zwischen konventioneller und ökologischer Produktion. Biofleisch ist der landläufige deutsche Ausdruck für Fleisch, das ökologisch gewonnen wurde. Die ökologische Viehzucht unterliegt wesentlich strengeren Auflagen als die konventionelle und basiert – neben dem umweltschonenden Wirtschaften – auf einer artgerechten Tierhaltung.

Es ist allerdings sehr fragwürdig, wie weit wir in der Fleischproduktion überhaupt von einer artgerechten Tierhaltung sprechen können. Es gibt natürlich Gesetze, in denen Mindestgröße, Belüftung, Beleuchtung und Hygienebedingungen der Ställe festgelegt sind. Es gibt Bestimmungen über das Einhalten von natürlichen Aktiv- und Ruhephasen, über Bewegungsfreiheit, Einstreu, Liegeflächen und dergleichen. Der Tierart entsprechende ausgewogene Ernährung ohne Tiermehlzusätze, eingeschränkte Anwendung von Antibiotika, striktes Verbot von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln und vieles mehr gehören zu den Vorschriften, die dem Biobetrieb auferlegt sind.

Das heißt jedoch noch lange nicht, dass Nutztiere ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben können. Man sollte sich wirklich gänzlich von der irrigen Vorstellung befreien, dass glückliche Rinder auf grünen Wiesen stehen, glückliche Schweine sich wohlig im Schlamm suhlen und glückliche Hühner im Sand scharren, bevor sie auf sanfte Art und Weise ihrer Bestimmung – nämlich in der Pfanne zu enden – zugeführt werden. Denn auch für Bio- oder Ökobetriebe ist es unerlässlich, mit hohen Bestandszahlen zu arbeiten, um wirtschaftlich produzieren zu können. Das heißt, wie in der konventionellen Fleischproduktion liegt auch dem Gros der Bioprodukte die Massentierhaltung zugrunde. Und ohne Massentierhaltung ist es heutzutage einfach nicht mehr möglich, den hohen Fleischkonsum, vor allem der westlichen Staaten, zu decken.

Beim Konsum von Biofleisch geht es nicht um die Abwendung von Elend und Tod, sondern um Reduzierung des Leidens im kurzen Leben eines Nutztieres. Unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert auf der Maxime mehr, schneller und billiger zu produzieren. Lebensmittel, auch tierischer Herkunft, sind davon keinesfalls ausgenommen. Das wird durch das anschauliche Beispiel verdeutlicht, dass Autos in den letzten fünfzig Jahren um 1.400 Prozent teurer geworden sind, wogegen der Preis für ein Hühnchen sich nicht einmal verdoppelt hat. Fleisch war noch niemals so billig wie heute!

Die Kühltruhen der Supermärkte sind voll, der Fleischkauf ist bequem und sachlich entfremdet. Den meisten Konsumenten ist die ethische Problematik nicht bewusst, die sich hinter der Fleischproduktion in den riesengroßen vollautomatisierten Fabriken verbirgt. Ein Kotelett bei „Lidl“ im Sonderangebot ist billiger als Hundefutter. Sollte uns das nicht stutzig machen? Ich habe täglich mit Tierschützern zu tun, die Leid und Tod von Hunden, Katzen, Kaninchen und anderen Haustieren abzuwenden versuchen, sich aber über den „Schnäppchenpreis“ des Sonntagsbratens freuen können. Dabei geht es noch lange nicht um die Gleichsetzung von Haus- und Nutztieren. Denn würde man einen Hund zeitlebens in einen Kleiderschrank einsperren, würde es ihm – verglichen mit seinen fleischliefernden Artgenossen – ziemlich gut gehen.

Es geht aber nicht nur darum, dass wir alle unseren Fleischkonsum reduzieren sollten. Es geht auch darum, als verantwortungsvoller Konsument die eigenen Prioritäten beim Konsum immer wieder kritisch zu überdenken. Einzig und allein durch das Konsumverhalten jedes Einzelnen lässt sich die enorme Macht der Industrie manipulieren. Beim alltäglichen Einkauf reicht schon der Blick auf das Packungsetikett des Rindfleisches, auf dem Herkunftsland, Aufzuchtsland und Land der Schlachtung vermerkt sein müssen, aus, um Lebendtransporte boykottieren zu können. Oder beim Eierkauf nicht auf die XL-Größe sondern auf den Eistempel zu achten, ist schon ein Schritt im Kampf gegen die Käfigbatterien. Und wer es sich leisten kann, sollte auf jeden Fall – zumindest die Lebensmittel tierischer Herkunft – aus regionaler ökologischer Produktion beziehen. Deren Lieferanten waren vielleicht nicht alle wirklich glückliche Vertreter ihrer Art, aber ihre Lebensumstände waren mit Sicherheit besser als diejenigen des „Discounter-Koteletts“.

Ihr Team der ETK