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Tierversuche

Immer mehr Menschen nehmen Weihnachten zum Anlass, Geld- oder Sachspenden für Bedürftige zu schenken. Zu den Bedürftigen gehören auch viele Tiere. In letzter Zeit ist immer öfter der Ruf nach Spenden gegen Tierversuche zu hören. Und weil die Fotos von dem Äffchen mit den Elektroden im Gehirn so ans Herz gehen, vergisst man darüber oft den stummen Schrei der Massen – in der Fleischproduktion, in der Pelzproduktion oder in der Heimtierindustrie – von denen keine Einzelschicksale bekannt werden und von denen keine Fotos in den sozialen Netzwerken des Internets verteilt werden.

Ich bin ein vehementer Tierversuchsgegner, aber ich halte Tierversuche momentan noch für unverzichtbar. Aus diesem Grunde versuche ich, dem Sachverhalt so wenig emotional wie möglich und so sachlich wie nötig zu begegnen. Von Deutschland weiß ich, dass sämtliche Tierversuche extrem kritischen tierschutzrechtlichen Gesetzen unterliegen und dass Tierversuche im Bereich der Entwicklung und Erprobung von Waffen und Munition sowie auch von  Tabakerzeugnissen, Waschmitteln und von Kosmetika seit mindestens 1998 verboten sind. Ob es Dunkelziffern und „schwarze Schafe“ gibt sei dahingestellt. Es ist aber so, dass für bestimmte Produkte Tierversuche vorgeschrieben sind und mit Sicherheit keine Firma teure Versuchsreihen am lebenden Tier durchführen würde, wenn andere – vor allem billigere – Möglichkeiten gegeben wären.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für etliche Entwicklungen auch alternative Forschungswege gäbe, ohne dass sich die Produktsicherheit verringern würde. Fakt ist aber, das vor allem in der medizinischen Forschung nicht immer Alternativen zum Tierversuch zur Verfügung steht. Als Beispiel kann ich die Prionenforschung anführen. Prionen haben vor zehn Jahren in Form von „Rinderwahnsinn“ die Welt erschüttert. Zellkulturen erleiden als Folge einer Prioninfektion keinen Schaden, im Gegensatz zum intakten Organismus. Man kann also anhand einer Gewebekultur nicht herausfinden, wie es zu den Folgen einer Infektion kommt. Trotzdem spricht heute keiner mehr vom Rinderwahn, denn BSE konnte erfolgreich bekämpft werden und – auch wenn das nicht schön ist – bis heute sind in diesem Forschungszweig Experimente am lebenden Tier unverzichtbar.

Das Gros der Experimente wird an kleinen Nagern wie Ratten und Mäusen durchgeführt. Man sollte sich aber nicht durch absichtlich emotionalisierte Schilderungen irritieren lassen: …„Der Forscher XY hat in das schwangere Mäuschen Lisa unentwegt giftige Substanzen gepumpt, die sie und ihre ungeborenen Babys grausam getötet haben“… So spielt sich das in der Realität nicht ab, das kann ich Ihnen versichern. In standardisierten Versuchen werden Mäusen Substanzen injiziert, nach gewisser Zeit wird den Tieren dann Blut oder Urin entnommen, danach werden sie eingeschläfert und seziert. Während ihrer Lebenszeit sind sie auch nicht ununterbrochen den Tierexperimentatoren ausgeliefert, sondern sie werden rund um die Uhr von ausgebildeten Tierpflegern betreut, von Tierärzten kontrolliert und die Versuchstierlabore werden von Tierschutzbeauftragten überwacht.

Natürlich will ich den Tierversuch nicht loben. Aber ich versuche, realistisch zu bleiben. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 2,7 Millionen Tierversuche durchgeführt. Davon 2,3 Millionen an kleinen Nagetieren. Ich habe noch nie Tierschützer gehört, die gegen Ungezieferbekämpfung wettern. Aber ob es den 300 Millionen Ratten in Deutschland besser geht, die man mit (wirklich gemeinen) Giften ständig versucht zu dezimieren? Und diesen 2,7 Millionen Versuchstieren stehen im selben Jahr 59,5 Millionen (!) Rinder und Schweine und 7,7 Millionen Tonnen (nicht Tiere!) Geflügel gegenüber, die als Schlachttiere „verbraucht“ wurden. Wer sich jemals mit der Massentierhaltung beschäftigt hat weiß, dass diese Kreaturen tierschutzrechtlich wesentlich schlechter betreut werden als Labortiere. Es interessiert kaum jemanden, welchem Stress die Tiere in der Fleischproduktion ausgesetzt sind. Vom Lebendtransport bis zur fehlenden Betäubung vor der Tötung gehören unvorstellbare Grausamkeiten zum Alltag dieser Kreaturen, ohne dass eine größere Anzahl Menschen dafür auf die Barrikaden ginge. Dabei wäre es meiner Meinung nach wirklich einfacher, auf Fleisch zu verzichten als auf lebensrettende medizinische Therapien. Ein Labortier, dem man derartig Gewalt antun würde, würde keine guten Daten liefern und das Experiment zum Scheitern verurteilen. Schon allein deshalb gehören gute Haltung, Schmerzbehandlungen und sorgfältige Sedierungen und Narkosen zum Standard eines Tierversuchs.

Ich setze mich dafür ein, dass die Verwendung von Alternativmethoden vorangetrieben werden sollte, denn ganz sicher ist nicht jeder Tierversuch nötig. Zell- und Gewebekulturen verbunden mit modernen Computersimulationen könnten wahrscheinlich bei vielen Standardtests die Stelle des Lebendversuches einnehmen. Ob aber in der medizinischen Forschung und in der Grundlagenforschung der Tierversuch in absehbarer Zeit ersetzbar wird, ist mehr als zweifelhaft.
Wenn wir uns nachhaltig für die Tiere auf unserer Welt einsetzen wollen, sollten wir nicht nur emotional reagieren, sondern einen klaren Kopf bewahren und versuchen, auch von politischer Seite her Einfluss zu nehmen. Nur so können wir mit der Zeit für all die Tiere bessere Lebensbedingungen schaffen, deren Bestimmung es ist, für das Wohl der Menschen sterben zu müssen.

Ihr Team der ETK