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Merle-Faktor

Rebekka F. aus München fragt:

Wir haben aus einem Tierheim eine circa zweijährige wunderschöne Colliehündin zu uns geholt, die eine schwarz mit silbergrau gemischter Fellfärbung hat. Nun haben wir gehört, dass diese Tiere Krankheiten haben können und bei ihnen oft erbliche Missbildungen auftreten. Bedeutet das, dass "Carry" keinen Nachwuchs bekommen darf?

 

Liebe Rebekka!


Collies mit dieser charakteristischen Fellscheckung nennt man "Blue-Merle-Collies". Die Farbe kommt auch bei vielen anderen Hunderassen vor, z. B. bei Doggen, Dackeln, Corgies, Filas, Bobtails u.v.m.
Der "Rassestandard" für den Blue-Merle-Collie verlangt silbergraues Fell mit schwarzer Sprenkelung, weiße und braune Abzeichen sowie teilweise oder ganz blau gefärbte Augen. Dieser Farbschlag kommt durch einen Fehler in den Erbanlagen zustande, nämlich einem Enzymdefekt. Sowohl beim Menschen als auch bei anderen Tierarten führt dieser Schaden zu Pigmentierungsanomalien an Haar, Haut und Auge. Störungen an bestimmten Genorten verhindern die Herstellung des braunen Körperfarbstoffs Melanin. Einen solchen Genort stellt der so genannte "Merle-Faktor" dar.
Leider ist es nun so, dass die Träger dieses genetischen Merkmals nicht nur eine schöne Fellfarbe haben, sondern auch von bestimmten Missbildungen befallen sein können, die durch dieses Gen hervorgerufen werden. Solche Tiere können in ihrer Entwicklung hinter den Wurfgeschwistern zurückbleiben und eine verminderte Lebenstüchtigkeit aufweisen. Oft sterben sie auch bereits vor dem Erreichen der Geschlechtsreife. Bei der Verpaarung von Elterntieren, die beide Träger dieses Gens sind, erhöht sich die Gefahr des Auftretens von erblich bedingten Missbildungen erheblich. Tiere derartiger Zuchtgruppen zeigen Augenanomalien unterschiedlicher Ausprägung bis hin zur Blindheit. Bei ihnen können Gehörschäden auftreten, die oft Taubheit nach sich ziehen. Auch Gehirnmissbildungen, Missbildungen der Spermien, Herzschäden und Störungen im Gleichgewichtssinn kommen bei diesen Tieren vor.
In Deutschland ist daher die Anpaarung zweier Tiere mit dem Merle-Syndrom-Gen im Rahmen des Tierschutzgesetzes verboten. Trotzdem gibt es immer wieder Züchter, die Missbildungen in Kauf nehmen, um im Laufe der Zuchtauslese besonders schöne Fellfarben zu erzeugen. Derartige Praktiken, bei denen Schönheit vor Gesundheit geht, sind leider sehr verbreitet. Wenn man aber gesunde Welpen will, ist dringend davon abzuraten, zwei Merle-Träger zu verpaaren. Allerdings kann man dabei nicht immer nur nach dem Äußeren gehen. Beispielsweise kann auch ein "Tricolor"-Collie versteckte "Merle"-Anlagen in sich tragen. Will man ganz sicher sein, kann nur ein Abstammungsnachweis die nötige Sicherheit geben.
Ihnen, Rebekka, möchte ich abschließend noch einen tierärztlichen Rat geben: Ein Tier, das bereits seit Geburt in seiner Seh- und Hörfähigkeit eingeschränkt ist, hat sich oft mit dieser Situation arrangiert und wirkt völlig gesund. Lassen Sie "Carry" deshalb tierärztlich untersuchen. Augen, Gehör, Gleichgewichtssinn und Herztätigkeit können klinisch "gecheckt" werden. Sind Auffälligkeiten vorhanden, werden weiter gehende Untersuchungen eingeleitet, die nicht gleich sehr aufwändig sein müssen. So kann beispielsweise nach medikamenteller Weitstellung der Pupillen der Augenhintergrund gründlich untersucht werden. Oder ein einfaches EKG (Elektrokardiogramm) kann Rückschlüsse auf einen Herzschaden zulassen. Und an Nachwuchs sollten Sie wirklich erst dann denken, wenn Ihr Tierarzt auf ganzer Linie "grünes Licht" gegeben hat.