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Gesäugetumoren

Alexandra M. aus Deutschland fragt:

Unsere Hündin hat das ganze Gesäuge voller Beulen. Man sagte uns, es handelt sich um Tumoren und wir müssen sie operieren lassen. Können Sie uns erklären, was das bedeutet. Hat sie denn Krebs und nützt eine Operation dann überhaupt etwas?

 

Liebe Alexandra!



Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen, denn das Thema Tumorerkrankungen ist medizinisch außerordentlich komplex, auch bei unseren Haustieren.

Eine Hündin besitzt beiderseits an ihrer Bauchregion jeweils fünf Milchdrüsen, auch Mammakomplexe genannt. Diese Organe bestehen aber nicht nur aus Milch produzierenden Drüsenzellen, sondern sind aus mehreren sehr verschiedenartigen Zellgeweben zusammengesetzt. Je nach Gewebetyp, der an der Ausbildung eines Tumors (auch Neoplasie genannt) beteiligt ist, wird die Wucherung klassifiziert. Im Gegensatz zum Menschen oder beispielsweise zur Katze kann ein Hund ausgesprochen viele verschiedene Typen von Milchdrüsentumoren entwickeln. Man teilt diese Neoplasien in drei Kategorien ein:
I. bösartige (=maligne) Tumoren
II. gutartige (=benigne) Tumoren
III. nicht klassifizierte Tumoren
Alleine bei den bösartigen Mammatumoren des Hundes kennt man vierzehn verschiedene Unterarten.

Um eine Aussage über die Prognosen machen zu können, teilen wir Tierärzte diese malignen Neoplasien grob in vier Stufen von Bösartigkeit ein.
1. Stufe:
Man spricht von einem "komplexen Adenokarzinom". Diese Form des Tumors kommt sehr häufig vor. Bei der Untersuchung seines Gewebes stellt man fest, dass der Tumor in seinem Aufbau immer noch dem physiologischen Aufbau einer Milchdrüse gleicht. Diese Neoplasie ist wenig aggressiv, das heißt, sie metastasiert erst sehr spät und befällt selten andere Gewebe. Kann man diese Tumoren frühzeitig und vollständig entfernen, ist die Prognose für den Patienten sehr gut.
2. Stufe:
Ist bei der feingeweblichen Untersuchung der Tumor in seinem Aufbau anders, aber immer noch als Drüsengewebe erkennbar, spricht man vom "einfachen Adenokarzinom". Auch dieser verhält sich prognostisch wie bei Stufe 1, wenn man ihn rechtzeitig und vollständig entfernen kann.
3. Stufe:
Hier ist Drüsengewebe als solches nicht mehr erkennbar. Es handelt sich um ein "solides Karzinom". Diese Karzinome kommen zwar seltener vor, befallen aber häufig nachbarschaftliche Gewebe und metastasieren meist schon im frühen Verlauf der Erkrankung. Dementsprechend vorsichtig muss man die Prognose stellen.
4. Stufe:
Beim "undifferenzierten Karzinom" ist überhaupt kein geordneter Gewebeaufbau mehr erkennbar. Diese Tumoren sind sehr bösartig, befallen oftmals Lymph- und Blutbahnen und führen auch zu Entzündungen der Mammakomplexe Für diese Patienten bestehen leider wenig Heilungschancen.

Bei annähernd 50% der älteren tumortragenden Hündinnen sind die Geschwülste bösartig. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen, Alexandra, muss man unbedingt wissen, so wie es oben beschrieben wurde, in welche Malignitätsstufe die Neoplasien einzuordnen sind. In jedem Fall ist die chirurgische Entfernung die Therapie der Wahl. In welchem Umfang operiert werden muss und ob eine gleichzeitige Kastration sinnvoll ist, muss allerdings für jedes Tier individuell festgelegt werden.

Hündinnen, die früh in ihrem Leben kastriert wurden, entwickeln sehr selten Mammatumoren. Dagegen neigen Hündinnen, bei denen regelmäßig die Läufigkeit hormonell unterdrückt wurde, zu vermehrtem Auftreten von Mammatumoren. Und vor kurzem konnte – auch beim Hund – nachgewiesen werden, dass Übergewicht ein Risikofaktor bei diesen Tumorerkrankungen darstellt.