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Weiße Katzen (Leuzismus)

Marianne W. aus Campos fragt:


Wir haben neben einer Mülltonne ein kleines Albinokätzchen mit blauen Augen gefunden, das wir gerne behalten möchten. Jetzt haben uns Freunde erzählt, dass weiße Katzen immer taub seien. Stimmt das denn?

 

Zunächst muss ich kurz den Unterschied zwischen weißen Katzen und Albinokatzen erklären. Bei ersteren fehlen Farbstoffe, die so genannten Pigmente. Das heißt die Tiere sind eigentlich nicht weiß, sondern „farblos“ oder im Fachjargon „leuzistisch“. Das kommt durch einen Gendefekt des Gens W zustande. Während der Embryonalentwicklung verhindert diese „Defekt-Mutation“, dass sich die pigmentbildenden Zellen (= Melanoblasten) im entstehenden Körper ausbreiten können. Es gibt nur wenig Farbstoffe in gehirnnahen Bereichen, wie beispielsweise in den Augen. Ansonsten entwickelt sich ein farbloses, d. h. weißes, bzw. großflächig weiß geschecktes Tier. Diese Katzen haben Augenfarben, die von tiefblau bis orange reichen, je nachdem, wie viel Pigmentzellen in den Augen eingelagert wurden. Albinos sind etwas anderes. Zwar sind auch diese Tiere weiß, aber aus einem anderen Grund. Hier liegt das Problem auf dem C-Gen. Diese Katzen haben ganz normale Pigmentzellen mit einer ganz normalen Verteilung im Körper. Es besteht jedoch ein chemisches Problem, das die Bildung des Farbstoffes Melanin blockiert. Albinos sind also sozusagen „farblos pigmentiert“. Die Augenfarbe ist meist rot, selten auch blassblau. Warum ich auf diesen Unterschied eingehen musste, hängt mit der Frage nach der Taubheit zusammen. Albinos sind nämlich nicht taub, leuzistische Katzen dagegen aber sehr oft!



Schwerhörigkeit oder Taubheit sind durch bestimmte Veränderungen im Innenohr angeboren, die mit der Einlagerungen von Pigmentzellen während der Entwicklung zu tun haben. Bei leuzistischen Tieren, die den W-Gendefekt aufweisen, sind nur wenige oder gar keine Melanoblasten ins Innenohr eingewandert. Die Folge sind Hörstörungen von Geburt an.

Beim Albino dagegen sind alle Pigmentzellen im Ohr vorhanden, nur ist das Pigment farblos. Albinos haben daher keine angeborenen Hörprobleme.

Sollte sich herausstellen, Marianne, dass ihr Kätzchen nicht hören kann, denken Sie an Folgendes: Taube Katzen sind als Freigänger, besonders im Straßenverkehr, sehr gefährdet. Sie haben oft Probleme in ihrem Sozialverhalten, da sie Drohlaute beispielsweise von Artgenossen nicht hören können. Auch das Jagdverhalten ist gestört, da die Beute akustisch nicht wahrgenommen wird. Außerdem ist eine taube Katze auch nicht als Muttertier geeignet, da sie das Fiepen ihrer Jungen nicht hören kann.

Unter anderem ist auch aus diesen Gründen die (genetisch) unkontrollierte Zucht von weißen (Rasse-)Katzen sehr umstritten, zumal bei Leuzismus oftmals – ähnlich der Hörproblematik – auch Sehprobleme eine Rolle spielen.