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Drüsenmagenerweiterung der Papageien

Wilhelm R. aus Pollensa schreibt:

Bis vor kurzem hatten wir einen kleinen zahmen Papagei, eine ca. 4-jährige Weißstirnamazone namens "Emil". Er war unser einziges Haustier und bis auf einen Graupapagei, der letztes Jahr für 4 Wochen bei uns in Pflege war, hatte er nie Kontakt zu anderen Tieren. Letzten Monat fing er an zu kränkeln, war immer schläfrig und wollte nicht mehr mit uns kommunizieren. Da er aber gut gefressen hat und sonst nichts Ungewöhnliches zu bemerken war, machten wir uns zuerst keine Sorgen. Als er jedoch eines Morgens mit geschlossenen Augen auf dem Käfigboden saß, sind wir sofort mit ihm zum Tierarzt gegangen. Dort sagte man uns, dass Emil völlig abgemagert sei. Er hat zwei Spritzen bekommen und eine Infusion, aber am nächsten Tag war er tot. Wir sind sehr erschüttert und niemand hat uns erklärt, was eigentlich los war. Können Sie uns sagen, ob man Emil hätte retten können?

 

Lieber Wilhelm!


Ich möchte gleich vorausschicken, dass "Emil" sicherlich nicht zu retten gewesen wäre. Die Krankheit, der Ihr Vogel mit großer Wahrscheinlichkeit zum Opfer gefallen ist, nennt man "Neurogene Drüsenmagendilatation der Papageien" (syn. Proventr. Dilatation Disease=PDD, syn. Macaw Wasting Disease u.m.).
Fast alle Großpapageien können davon betroffen sein und die Krankheit kann unterschiedlich verlaufen. Die Drüsenmagenerweiterung gehört zu den ansteckenden Krankheiten(-denken Sie an Ihren Urlaubspflegling im letzten Jahr!) und wird wahrscheinlich durch ein Virus verursacht . Im Verlauf der Krankheit werden Nerven des zentralen Nervensystems und des Magen-Darmtrakts, vor allem des Drüsenmagens, geschädigt.
Es gibt Tiere, die den Erreger in sich tragen und auch ausscheiden, selbst jedoch keine Krankheitssymptome entwickeln. Deswegen ist es oft unmöglich, vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Am häufigsten sind Aras von der Drüsenmagenerweiterung betroffen. Aber auch Amazonen, Graupapageien, Kakadus und Edelpapageien sind dafür empfänglich, meistens im Alter von zwei bis vier Jahren. Der Erreger wird mit dem Kot ausgeschieden und kann durch Hygienemängel, durch den Kontakt von Vögeln untereinander, durch den Pfleger oder auch mit der Luft verschleppt werden.
In der Regel beginnt die Krankheit mit plötzlicher Schläfrigkeit, Schwäche und in einigen Fällen mit Erbrechen. Die Futteraufnahme der erkrankten Vögel ist ungestört, meistens sogar gesteigert.
Der Kot wird oft breiig und ein typisches Anzeichen ist die sichtbare Ausscheidung unverdauter ganzer Futterkörner. Die Tiere magern dramatisch ab. Im Endstadium zeigen sich zentralnervöse Störungen wie Zittern und unsicherer Stand. Es kommt zu anfallsartigen Krämpfen und Koordinationsstörungen.
Für den Tierarzt ist es ausgesprochen schwierig, die Krankheit am lebenden Tier mit Sicherheit zu diagnostizieren, insbesondere im Frühstadium.
Die o.g. Symptome können durchaus auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Nur Röntgenbilder, Blutuntersuchungen und Gewebeproben können den Verdacht auf die Drüsenmagenerweiterung erhärten. Junge Vögel sterben meist innerhalb kurzer Zeit, bei erwachsenen Tieren kann sich der Verlauf der Krankheit über Monate und sogar Jahre hinziehen. Letztendlich aber ist die Krankheit mit den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten nicht heilbar. Sollten sich kranke Vögel bei einer unterstützenden Behandlung durch den Tierarzt wieder erholen, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine andere Erkrankung handelte.
Leider steht uns noch kein vorbeugender Impfstoff zur Verfügung, so dass der einzige Schutz für unsere Papageien im Moment darin besteht, mit einem leistungsfähigen Abwehrsystem ausgerüstet zu sein.
Und wie können wir unseren Vögeln, die wir als Haustiere halten, helfen, ihre Abwehrkräfte zu stärken?
* Wir bemühen uns um artgerechte Unterbringung! Dabei haben unterschiedliche Arten
unterschiedliche Bedürfnisse. Z.B. braucht ein Schwarmvogel Gesellschaft, während einem
Einzelgänger ein Partner außerhalb der Balzzeit großen Stress bereiten kann.
* Wir kümmern uns täglich intensiv um den Vogel. Für einen Papagei kann Langeweile
dramatische gesundheitsschädliche Folgen haben.
* Wir bieten für die Art passendes und abwechslungsreiches Futter an. Nur weil Papageien zu
den Körnerfressern zählen, sind Sonnenblumenkerne noch lange kein gutes Futter für diese
Art! Auch ist nicht alles gesund , was den Vögeln schmeckt. Letztendlich müssen wir uns
unermüdlich bemühen, den Tieren immer wieder anzubieten, was gesund für sie ist. Früher
oder später werden sie auf den Geschmack kommen!
* Wir schaffen optimale Hygienebedingungen. Das schützt nicht nur unseren Vogel, sondern
auch den Pfleger vor Infektionen aller Arten.
Das Halten von exotischen Haustieren ist immer eine Herausforderung. Jeder, der sich für die Anschaffung eines solchen Tiers entscheidet, sollte sich gründlich informieren und mit den für die Art optimalen Haltungs- und Fütterungsbedingungen vertraut machen. Diese sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Papagei ein leistungsfähiges Immunsystem entwickelt und Krankheiten abwehren kann.