Thema der Woche
NEU!!!
Eurotierklinik
Portal Nous!

Carretera Andratx 43/14
Tel: 971 677 606
Erfolgsstory!
Zahlreiche namhafte Modehersteller wie H&M, ESPRIT, Zara, C&A, Tchibo, Calvin Klein, Hugo Boss und andere sind nach Gesprächen mit PETA aus dem Angora-Geschäft ausgestiegen – und es folgen mehr.
mehr erfahren


Narkose

Dorothea D. aus Bunyola fragt:

Bei unserem Liebling soll schon seit längerem eine ständig wachsende Geschwulst entfernt werden. Meine Angst vor der notwendigen Betäubung ist so groß, dass ich mich bis jetzt nicht zu einer Operation entschließen konnte. Kann man auch eine „schwache“ Narkose geben, aus der Simba auf jeden Fall wieder aufwacht?

 

Liebe Dorothea!


Erst einmal müssen wir uns darüber klar werden, was es eigentlich bedeutet, ein Tier (oder einen Menschen) zu „betäuben“. Bei operativen Eingriffen müssen wir den Patienten in einen Zustand versetzen, in dem er keine Schmerzen empfindet und auch nichts vom ganzen „Drumherum“ mitbekommt. Diesen Zustand bezeichnet man als Narkose oder Anästhesie.
Wir unterscheiden nicht zwischen „schwachen“ und „starken“ Narkosen, sondern es gibt verschiedene Narkoseverfahren:
1. Regionalanästhesien
Hier werden Nerven in bestimmten Nervenbereichen, z. B. im Rückenmark, ausgeschaltet und somit ganz bestimmte Körperpartien schmerzfrei gemacht. Der Patient bleibt bei dieser Narkoseform wach.
2. Allgemeinanästhesien
Bei dieser Anästhesieform, der so genannten „Vollnarkose“, wird der Patient in eine Art Tiefschlaf bzw. Bewusstlosigkeit versetzt. Die Muskulatur ist gelähmt und die Schutzreflexe sind gedämpft. Für die Dauer der Narkose hat der Patient keine Erinnerung. Der Körper ist empfindungslos, so dass der Patient keine Schmerzen empfindet.
Bei unseren Haustieren kommt bei fast allen Eingriffen die Vollnarkose zur Anwendung. Das Tier wird auch deshalb in den Schlafzustand versetzt, um natürliche Abwehrreaktionen zu vermeiden. Selbst schmerzfreie oder schmerzarme Eingriffe, wie z. B. das Reinigen der Zähne mit Ultraschallsonden, lässt sich ein Tier aus seinem natürlichen Abwehrverhalten heraus nicht gefallen. Während ein Mensch beim Zahnarzt – wenn auch mit Angst – brav den Mund geöffnet hält und falls nötig mit einer Regionalanästhesie behandelt werden kann, müssen wir bei Hund oder Katze eine Allgemeinanästhesie durchführen.
Die Vollnarkose wird mittels einer Injektion eingeleitet. Gut erprobte Narkosemedikamente werden in ihrer Kombination und Dosierung auf das jeweilige Tier abgestimmt und in die Muskulatur oder direkt in die Vene gespritzt. Die Narkosetiefe ist steuerbar und in der Regel erwachen die Tiere nach dem Eingriff sanft und ohne lange Nachschlafphasen. Muss ein länger dauernder, schwerer und schmerzhafter Eingriff vorgenommen werden, wird – wie in der Humanmedizin – mit einer Inhalationsnarkose weitergearbeitet. Dazu wird ein flexibler Plastikschlauch (Tubus) in die Luftröhre eingeführt (Intubation), über den dem Patienten inhalierbare Narkosegase zugeführt werden. Das Narkosegas wird mit medizinischem Sauerstoff vermischt und kann sehr genau dosiert werden. Während der gesamten Narkosedauer „atmet“ der Patient das Narkosegas-/Sauerstoffgemisch ein. Damit wird die gewünschte Narkosetiefe so lange aufrechterhalten, bis der Eingriff beendet ist. Durch den Einsatz von modernen Narkosegasen kann man die Belastungen für den Kreislauf und auch für Nieren und Leber enorm reduzieren. Der gesamte Narkoseprozess läuft also für das Tier äußerst schonend ab.
Während der Operation werden Herzfrequenz, Atemfrequenz, Sauerstoffgehalt im Blut und Körpertemperatur ständig überwacht. Um mögliche Kreislaufdefizite sofort auszugleichen, wird über einen Venenverweilkatheter Flüssigkeit als Dauertropfinfusion zugeführt. Auch eventuell notwendige Medikamente können über den Katheter sofort ins Blut gelangen.
Nähert sich der Eingriff dem Ende, wird die Narkosegaszufuhr gestoppt und dem Patienten wird nur noch Sauerstoff zugeführt. Durch das schnelle „Abatmen“ des Narkosemittels tritt der Patient schon wenige Minuten nach Operationsende in die Aufwachphase ein. Im Aufwachraum wird der Schlauch aus der Luftröhre entfernt (Extubation). Der Patient braucht jetzt Wärme und Ruhe. Die Dauer der Nachschlafphase ist bei jedem Tier unterschiedlich. Bei Hunden kommt es als Nachwirkung bei Vollnarkosen manchmal zu einer Art Rauschzustand, in dem die Tiere nervtötend jaulen. Diese Phase ist jedoch harmlos, flaut schnell wieder ab und hat in keinem Fall etwas mit Schmerzäußerungen zu tun.
Um Ihre Ängste etwas zu mildern, Dorothea, rate ich Ihnen, vorab eine Blutuntersuchung bei Ihrem Haustier durchführen zu lassen. Auf diese Weise kann sich der Tierarzt mit den Organfunktionen seines Patienten vertraut machen.
Stellt sich heraus, dass es sich um einen „Risikopatienten“ handelt, können weitere Voruntersuchungen, z. B. ein Elektrokardiagramm (EKG), durchgeführt werden. Natürlich ist keine Narkose ohne Risiko. Komplikationen wie Störungen im Herz-Kreislaufsystem, Atemstörungen oder allergische Reaktionen auf verabreichte Medikamente können als „Narkosezwischenfälle“ auftreten und im schlimmsten Fall zum Tode des Patienten führen. Dank Einsatz moderner Mittel wie neu erprobter Medikamentenkombinationen, maschineller Überwachungsmethoden und entsprechenden Voruntersuchungen gehören Narkosezwischenfälle aber mittlerweile zu den großen Ausnahmen.
Vereinbaren Sie am besten ein Aufklärungsgespräch mit Ihrem Tierarzt, und lassen Sie sich ausführlich informieren. Ich bin sicher, dass sich Ihre Nervosität legen wird, wenn Sie erfahren, was in der Chirurgie durch die modernen Narkoseverfahren heutzutage alles möglich geworden ist.