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Tumorerkrankungen I

Martha H. aus Deutschland fragt:

Bei meinem Hündchen "Sissi" hat man Krebs festgestellt. Aber trotz meiner Verzweiflung wollen ihn die Tierärzte nicht operieren. Ich verstehe das nicht. Bitte helfen Sie mir doch!

 

Liebe Martha!


Leider weiß ich zu wenig über die Krebserkrankung Ihres kleinen Lieblings, aber ich möchte Ihnen trotzdem pauschal anraten, der Entscheidung Ihrer behandelnden Tierärzte zu vertrauen.

"Krebs" ist eine der wenigen chronischen Krankheiten, bei denen in manchen Fällen tatsächlich Heilungschancen bestehen, in anderen Fällen aber leider auch die Tatsache "unheilbar" festgestellt werden muss. Bei diesen Patienten muss man versuchen, das Tumorwachstum so lange zu kontrollieren, wie dem Tier eine gute Lebensqualität erhalten werden kann. Das ist nicht immer einfach.

Will man eine Tumorbehandlung planen, muss man genau wissen, mit was für einem Tumor man es zu tun hat. "Krebs" ist keineswegs gleich "Krebs".
Die erste und wichtigste Frage lautet: Kann man "kurativ" intervenieren, oder muss man "palliativ" behandeln? Kurativ bedeutet, es besteht eine Heilungschance. Das heißt, man kann diesen Tumor entweder operativ entfernen oder mittels Strahlen- bzw. Chemotherapie zurückdrängen. Manchmal ist auch eine Kombination von zwei oder allen drei Methoden notwendig.
Mit der palliativen Behandlung dagegen können wir lediglich die Lebenserwartung unserer kleinen Patienten verlängern. Das heißt, wir versuchen medikamentell das Tumorwachstum möglichst lange zu kontrollieren. Und vor allem versuchen wir, beispielsweise mit adäquaten Schmerzmitteln, die Lebensqualität der Tiere so lange wie möglich zu erhalten.

Um diese therapeutische Entscheidung zu treffen, brauchen wir eine spezifische Tumordiagnose. Dazu gehören heutzutage das so genannte "Tumorgrading" und "Tumorstaging". Das ermöglicht uns zu bestimmen, um was für eine Art von Tumor mit welchen Geweben und in welchem Entwicklungsstadium es sich handelt. Dafür wird eine in der Veterinäronkologie standardisierte übliche und einheitliche Klassifikationsform benutzt.

Der nächste Schritt bei der Entscheidung, wie wir mit der Behandlung verfahren, ist die Untersuchung des Allgemeinzustands des Patienten. In was für einem körperlichen Zustand befindet sich das Tier? Verkraftet der Körper die Nebenwirkungen, beispielsweise einer Chemotherapie? Wie ist das Narkoserisiko zu beurteilen? Je nach Lokalisation und Größe eines Tumors – man denke nur an Lungenchirurgie – kann eine Operation ausgesprochen anstrengend für den betroffenen Organismus werden. Auf jeden Fall muss vor einer Operation – zusammen mit dem Tierbesitzer – festgelegt werden, welche Ziele man verfolgt. Will man kurativ operieren, ist es oft notwendig, den Patienten einer Radikalchirurgie zu unterziehen. Diese Operationen können für den Laien sehr erschreckende Ausmaße haben und man sollte sich als Besitzer unbedingt im Vorfeld darüber klar werden, was man seinem Schützling und nicht zuletzt sich selbst zumuten kann und will. Amputationen von ganzen Gliedmaßen bzw. ganzen Körperteilen, wie etwa einem Unterkiefer, müssen bei Knochentumoren unbedingt in Betracht gezogen werden. Hat ein chirurgischer Eingriff lediglich palliativen Charakter, ist radikales Schneiden oftmals nicht erforderlich. Eventuell will man nur eine Metastase entfernen oder verkleinern, die das Tier beispielsweise in seiner Bewegungsfähigkeit einschränkt. Trotzdem sollte man sich darüber Gedanken machen, ob man die Nebenwirkungen in Kauf nehmen will, die auch damit verbunden sein können.

Überhaupt sind in der Onkologie (= Lehre der Geschwulstkrankheiten) nicht nur Erfolgsaussichten, Nebenwirkungen oder Behandlungsverfahren von Bedeutung, sondern auch die Kosten und Dauer einer Tumortherapie müssen in jedem Fall ausgiebig besprochen werden.
Es tut mir Leid, Martha, dass ich Ihnen nicht weiterhelfen kann. Aber, obwohl die Tumorchirurgie auch heutzutage immer noch die erfolgversprechendste Methode in der Onkologie darstellt, ist es nicht sinnvoll alles "wegoperieren" zu wollen. Die schwierige Entscheidung eines onkologischen Chirurgen ist nicht eine Operation durchzuführen, sondern bei Aussichtslosigkeit die Operation – zugunsten des Patienten –zu unterlassen.