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Vergiftungen I

Fritz W. aus Manacor fragt:

Ich würde gerne wissen, welche Erfahrungen Sie in Ihrer Tierarztpraxis mit Vergiftungen haben. Tiervergiftungen sind doch mit Sicherheit viel seltener, als angenommen wird.

 

Lieber Fritz!


Aus eigener Erfahrung muss ich Ihnen leider sagen, dass Vergiftungen in Mallorca ausgesprochen häufig vorkommen! Allerdings ist es nicht der „unbekannte Tiersadist“ oder der „böse Nachbar“, der Hund oder Katze vergiften will, sondern in fast allen Fällen handelt es sich um menschliches Unwissen oder manchmal auch um Fahrlässigkeit. Im Gegensatz zu anderen Ländern, beispielsweise zu Deutschland, ist es hier nicht schwer, an Gifte zu gelangen. Dementsprechend sorglos wird auch damit umgegangen. In der Regel ist die unachtsame Auslegung oder Aufbewahrung der Giftköder an für Hund und Katze zugänglichen Orten die Vergiftungsursache. Die meisten Rattengifte beispielsweise,werden mit Geschmackstoffen versetzt, die den Köder auch für Hund und Katze schmackhaft machen. Aber giftige Substanzen können nicht nur gefressen, sie können auch eingeatmet werden oder nach Kontakt über die Haut in den Körper gelangen. Dort wirken die meisten Gifte sehr schnell. Irreversible Organschäden oder Tod nach kürzester Zeit sind die häufige Folge.
Leider gibt es unzählige giftige Substanzen und nicht für alle Gifte gibt es ein Gegenmittel (= Antidot). Obwohl die Vergiftungssymptome, gerade im fortgeschrittenen Stadium, oftmals die gleichen sind, muss man verschiedene Vergiftungen ganz unterschiedlich behandeln. Daher kann es lebensrettend sein, die Giftpackung bzw. den Beipackzettel in Falle eines Vergiftungsverdachtes zum Tierarzt mitzunehmen. Wichtige Informationen sind auch Zeitpunkt und Menge der Substanzaufnahme sowie die genaue Beschreibung der ersten Vergiftungsanzeichen. Das Allerwichtigste ist aber in jedem Fall schnelles Handeln!
Nehmen wir als Beispiel die Giftgruppe der Organophosphate. Das Gift wird zur Schädlingsbekämpfung und Unkrautvernichtung benutzt. Einer der bekanntesten Vertreter ist als E605 bekannt. Schon 30 Minuten nach der Aufnahme stellen sich erste Symptome ein. Die Pupillen verengen sich, das Tier sondert Speichel ab und erbricht. Nach kurzer Zeit treten kolikartige Durchfälle auf und die Blase wird unkontrolliert entleert. Es kommt zu Atmungsstörungen und Blutdruckabfall. Das Herz schlägt viel zu langsam. Wird jetzt nicht das Gegenmittel verabreicht, nimmt auch das Gehirn Schaden. Die Folgen sind Krämpfe, Koma und Tod durch Atemlähmung. Diese Art der Vergiftung erfordert tagelange intensive Behandlung, da sich die Substanz lange im Körper hält.
Eines der bekanntesten Rattengifte ist das Cumarinderivat, eine Substanz, die besonders durch die wiederholte Aufnahme kleinerer Mengen gefährlich wird. Die ersten Vergiftungsanzeichen treten dann nämlich erst nach Tagen auf. Das Gift führt zu einer Blutgerinnungsstörung und schädigt die Blutgefäßwände. Ein langsames Verbluten im ganzen Körper ist die Folge. Je nach Stadium reicht es nicht mehr, das Antidot zu verabreichen, sondern als lebensrettende Maßnahme sind Vollbluttransfusionen erforderlich. Auch „Lindan“ ein Insektizid aus einer organischer Kohlenwasserstoffverbindung, ist bekannt . Besonders für Katzen ist diese Substanz oft tödlich, da der Stoff sowohl über die Haut als auch durch Lecken schnell in den Körper gelangt. Diese organischen Kohlenwasserstoffe wirken vor allem als Nervengifte und zeigen daher entsprechende Vergiftungszeichen, wie Krämpfe und Lähmungen. Auch alle Schwermetallverbindungen sind ausgesprochen gefährlich. Sie kommen als Rodentizide, also zur Bekämpfung von Nagern, zum Einsatz. Frisst ein Hund oder eine Katze ein Tier, das an diesem Gift verendet ist, kommt es schon nach einem Tag zu schweren Störungen mit Bluterbrechen und Krämpfen.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Giftstoffe. Fast alle haben dramatische und oft tödliche Folgen für den Patienten, vor allem wenn durch Selbsbehandlungsversuche oder Einflössen irgendwelcher Substabzen (Milch!) unnötige Zeit verloren wird. Doch selbst wenn das betroffene Tier schnell medizinisch korrekt versorgt werden konnte, ist der Behandlungserfolg immer abhängig vom Zerstörungsgrad der inneren Organe.
Also Fritz, mein Rat: Chemikalien, Putzmittel, Medikamente und sonstige gefährlichen Substanzen nicht nur für Kinder, sondern auch für Tiere unzugänglich aufbewahren!