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Grannen

Frieder H. aus Porreres fragt:

Wir sind vor kurzem hier aufs Land gezogen und seither hat unser Hund, ein Cockerspaniel, Probleme. Er hat an allen möglichen Stellen Eiterbeulen, vor allem zwischen den Zehen und unter den Achseln. Ist er womöglich auf irgendetwas hier allergisch?

 

Lieber Frieder!


So, wie Sie den Fall schildern, glaube ich eher nicht, dass Ihr Spaniel unter einer Allergie leidet. Wenn man die Jahreszeit und Ihren Umzug aufs Land berücksichtigt, kommt man eher zu dem Schluss, dass Ihr Hund unter einer umweltbedingten Erkrankung leidet. Es wäre nämlich durchaus möglich, dass es sich um entzündliche Veränderungen handelt, die durch kleine "Fremdkörper" verursacht werden, die in die Haut eindringen. Seit einiger Zeit reifen bei uns alle möglichen getreideähnlichen Gräser, darunter vor allem der weit verbreitete wilde Hafer. Diese Pflanzen sind mit Spelzen und Grannen "bewaffnet", die sich im Haarkleid des Hundes verfangen und sich langsam in die Haut bohren. Dabei spreizt sich das Pflanzenteil wie ein Dübel im Gewebe und steckt somit fest. Alle Hunde, die sich in dieser Jahreszeit viel im Freien bewegen, sind davon betroffen. Übrigens: auch Katzen vor dieser Gefahr nicht sicher!
Es vergeht momentan kaum ein Tag in unserer Klinik, an dem wir nicht irgendeinen unserer Patienten von Pflanzenfremdmaterial befreien, das Hautveränderungen hervorgerufen hat. Dabei sind die bevorzugten Körperstellen der Gräsergrannen die Hautfalten im Zwischenzehenbereich und der äußere Gehörgang. Die Pflanzenteile arbeiten sich oft bis zum Trommelfell vor und verursachen starke Schmerzen und heftige Ohrentzündungen. Zwischen den Zehen, unter den Achseln oder auch an beliebigen anderen Körperstellen bilden sich durch den eingedrungenen Fremdkörper schmerzhafte Pusteln und Abszesse, die, je nach Lokalisation, auch Lahmheiten hervorrufen können. Die Tiere lecken und beknabbern sich die entzündeten Stellen. Unter den Augenlidern oder in Nasengängen verursachen Grannen oftmals starke Irritationen und eitrigen Ausfluss. Mit dem Fremdkörper dringen auch Bakterien in den Körper des Tiers ein, so dass es an den entsprechenden Stellen häufig zu bakteriellen Infektionen kommt. Das kann so weit führen, dass die Tiere Fieber entwickeln und aufhören zu fressen.
Die einzig wirksame Therapie, Frieder, ist die Entfernung des Fremdmaterials. Das kann, beispielsweise im Gehörgang, so schmerzhaft für den Patienten sein, dass eine Vollnarkose unumgänglich wird. "Eiterbeulen" müssen geöffnet und gespült werden. Manchmal sind die Grannen "gewandert" und haben lange Fistelgänge hinterlassen. Das sind tunnelartige Geweberöhrchen, die eitrige Flüssigkeit vom Fremdkörper bis nach außen leiten. In solchen Fällen kann der chirurgische Eingriff sogar recht aufwändig werden. Wenn das Problem im Zwischenzehenbereich liegt, muss man nach der Behandlung Pfotenverbände angelegen. Diese müssen bis zum Abheilen der Wunden regelmäßig erneuert werden. Möglicherweise ist sogar eine medikamentelle Therapie mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten notwendig.
Sie sollten also mit dem anstehenden Tierarztbesuch nicht mehr länger warten. Abgesehen davon, dass Sie Ihrem Hund eine Menge Schmerzen ersparen, gilt in der Regel: je schneller man die Fremdkörper entfernt, desto weniger aufwändig ist die Therapie!